Sonntag, 3. Juni 2007

Pioniere der Steinzeitforschung

Steinzeitbuch

Die Auswahl beschränkt sich auf Prähistorikerinnen und Prähistoriker, die den Namen einer in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertretenen Stufe, Kultur oder Gruppe der Steinzeit in die Fachliteratur eingeführt haben. Die Texte stammen aus dem Buch "Deutschland in der Steinzeit" (1991) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst und wurden nach Erscheinen nicht mehr aktualisiert.

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Nils Aberg, geboren am 24. Juli 1888 in Norrköping/Schweden, gestorben am 28. Februar 1957 in Uppsala. Nach dem Abitur in Norrköping (1907) studierte er in Uppsala. 1912 promovierte er. 1915 wurde er Dozent für nordische und vergleichende Vorgeschichte an der Universität Uppsala. Seit 1928 vertrat er das an der Hochschule Stockholm neu eingerichtete Fach, das 1949 in einen Lehrstuhl umgewandelt wurde. Auf ihn geht der Begriff Walternienburg-Bernburger Kultur zurück (1918).

Peter Michael Bayerlein, geboren am 1. Mai 1944 in Nürnberg, studierte in Heidelberg. Ab 1981 war er beim Deutschen Archäologischen Institut in Kairo beschäftigt. Er schlug 1980 in seiner Dissertation den Begriff Oberlauterbacher Gruppe vor für Funde, die bis dahin verschiedenen Kulturen zugeschrieben wurden. Den Namen wählte er in Anlehnung an den l936 von dem Münchner Prähistoriker Ferdinand Birkner verwendeten Begriff Oberlauterbacher Keramik.

Gerhard Bersu, geboren am 26. September 1889 in Jauer (Schlesien), gestorben am 19. November 1964 in Magdeburg. Er wurde 1929 Zweiter Direktor der Römisch-Germanischen Kommission und 1951 erster Direktor. Weil er Jude war, entließ ihn 1935 das NS-Regime. 1947 bis 1950 wirkte er an der Irish Academy Dublin und von 1950 bis 1956 wieder als Direktor der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt am Main. Bersu hat den Begriff Goldberg III geprägt (1957).

Ferdinand Birkner, geboren am 28. Dezember 1868 in München, gestorben am 29. Dezember 1944 in München. Er habilitierte sich 1904 und wurde 1909 außerordentlicher Professor, Direktor der Prähistorischen Staatssammlung (bis 1934) und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Birkner verfasste zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze über alt-, mittel- und jungsteinzeitliche Themen. Auf ihn wird der Begriff Pollinger Gruppe zurückgeführt (1936).

Walter Bremer, geboren am 8. Juni 1887 in Wismar, gestorben am 9. November 1926 in Dublin. Zu seinem Ruhm trugen vor allem die Ausgrabungen in der jungsteinzeitlichen Siedlung Eberstadt in Hessen und die darüber veröffentlichte Arbeit bei. Er wurde 1920 Privatdozent und 1922 außerordentlicher Professor an der Universität Marburg. 1925/26 wirkte er als Kurator der Irischen Altertümer in Dublin (Irland). Auf Walter Bremer geht der Name Münchshöfener Gruppe zurück.

Karel Buchtela, geboren am 6. März 1864 in Novy Pavlov, gestorben am 19. März 1946 in Prag. Er war Finanzoberrat und bekleidete von 1924 bis 1938 das Amt des Direktors des Staatlichen Archäologischen lnstituts in Prag. Bei seinen Forschungen arbeitete er mit dem tschechoslowakischen Archäologen Lubor Niederle (1855-1944) aus Prag zusammen. Buchtela betätigte sich als Ausgräber und schrieb wichtige Abhandlungen. Er prägte den Begriff Stichbandkeramik (1889).

Bodo Dieckmann, geboren am 23.März 1952 in Jüterbog, Bezirk Potsdam. Er studierte in Göttingen und Freiburg und promovierte 1983 mit einer Arbeit über das Mittel- und Jungneolithikum am südlichen Oberrhein. Seit 1983 leitet er beim Landesdenkmalamt Baden-Württem- berg die Ausgrabungen in der Pfahlbausiedlung Hornstaad am westlichen Bodensee. Sein besonderes Interesse gilt siedlungsarchäologischen Fragestellungen. 1985 prägte er den Begriff Hornstaader Gruppe.

Stojan Dimitrijevic, geboren am 11. August 1928 in Horgos-Kameras, gestorben am 13. Dezember 1981 in Zagreb. Er arbeitete ab l954 als Assistent an der Philosophischen Fakultät in Zagreb. 1961 wurde er dort Dozent für Urgeschichte. Er spezialisierte sich auf das Neolithikum und Anäolithikum und nahm Grabungen an verschiedenen vorgeschichtlichen Fundstellen in Vinkovci und Umgebung vor. 1961 prägte er den Beqriff Lasinjska-Kultura (heute Lasinja-Gruppe).

Jürgen Driehaus, geboren am 23. August 1927 in Osnabrück, gestorben am 29. Dezember 1986 in Nürnberg. Er promovierte 1955 in München und wirkte von 1953 bis 1954 am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München, 1955 bis 1961 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz und 1962 bis 1968 am Rheinischen Landesmuseum Bonn. 1972 habilitierte er sich an der Universität Göttingen. Von ihm stammen die Begriffe Schussenrieder Gruppe und Pfyner Kultur (beide 1960).

Lutz Fiedler, geboren am l7. Januar 1940 in Berlin, ist seit 1977 für die archäologische Denkmalpflege in Hessen tätig. Er leitete ab 1980 die Ausgrabungen am Fundplatz Buhlen (Kreis Waldeck-Frankenberg) in Hessen. Seine wissenschaftlichen Interessen liegen in der Erforschung der gesamten Steinzeit, besonders des Altpaläolithikums. Fiedler prägte 1985 den Begriff Protoacheuléen für faustkeilarme Fundkomplexe des Pleistozäns.

Ulrich Fischer, geboren am 3. Juli 1915 in Königsberg. Er promovierte 1940 an der Universität Halle/Saale und war von 1947 bis 1950 freier Mitarbeiter des Museums in Halle. Von 1950 bis 1952 wirkte er am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz und 1953 am Museum Kempten. Von 1954 bis 1980 leitete er das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Frankfurt am Main. Sein Interesse gilt den Grabsitten der Jungsteinzeit. Von ihm stammt der Begriff Gaterslebener Gruppe (1952).

Dorothy Garrod, geboren am 5. Mai 1892 in Oxford, gestorben am 18. Dezember 1968 in Cambridge (England). Sie studierte am Newnham College in Cambridge und an der Universität Oxford. 1925/26 unternahm sie Ausgrabungen auf Gibraltar, 1928 in Kurdistan und 1932 am Karmel in Palästina. Von 1939 bis 1952 wirkte sie als Professorin für Archäologie in Cambridge, wo sie ab 1949 das Department für Archäologie und Anthropologie leitete. 1939 prägte sie den Begriff Gravettien.

Alfred Götze, geboren am 1. Juni 1865 in Weimar, gestorben am 20. November 1948 in Römhild. Seine Arbeit über die keramischen Stilarten der jüngeren Steinzeit war die erste Dissertation über ein prähistorisches Thema in Deutschland. Er wurde Direktorialassistent, dann Leiter und Professor der vorgeschichtlichen Abteilung des Berliner Museums. Auf Götze gehen die Begriffe Rössener Kultur, Havelländische Kultur, Kugelamphoren-Kultur und Schnurkeramische Kulturen zurück.

Paul Grimm, geboren am l8. August 1907 in Torgau, promovierte 1929, wurde Assistent, später Kustos und Stellvertreter des Direktors am Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale. Ab 1939 war er Dozent an der Universität Halle, ab 1951 am Akademischen Institut in Berlin, ab 1955 Professor in Berlin. 1957 wurde er Stellvertreter des Direktors für Vor- und Frühgeschichte der Deutschen in Akademie der Wissenschaften in Berlin. Von ihm stammt der Begriff Baalberger Kultur (1930).

Klaus Günther, geboren am 12. Juli 1932 in Münchröden bei Coburg. Er bearbeitete 1960 in einer Dissertation den altsteinzeitlichen Fundplatz Balver Höhle im Hönnetal bei Balve in Nordrhein-Westfalen. Danach ging er in den archäologischen Landesdienst Nordrhein-Westfalens. 1972 wurde er Leiter der Außenstelle des Westfälischen Amtes für Bodendenkmalpflege in Bielefeld. Klaus Günther führte 1964 den Begriff Spätacheuléen in die Fachliteratur ein.

Otto Hauser, geboren am 27. April 1874 in Wädenswill im Kauton Zürich, gestorben am 14. Juni 1952 in Berlin-Wilmersdorf. Der Antiquitätenhändler und Archäologe wurde vor allem durch seine aufsehenerregenden altsteinzeitlichen Funde in der Dordogne (Frankreich) und die Publikationen darüber berühmt. In der Fachwelt genießt der Name Otto Hauser auch heute noch teilweise keinen guten Ruf, weil er Funde verkaufte. Er verwendete 1916 als erster den Begriff Micoquien.

Hans-Jürgen Hundt, geboren am 25. Juli 1909 in Potsdam, gestorben am 12. November 1990 in Wiesbaden. Er studierte in Berlin, Prag und Marburg, wo er promovierte. Ab 1950 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Straubing, 1952 Direktor des Museums für Vorgeschichte in Frankfurt am Main, war er von 1954 bis 1974 Direktor der vorgeschichtlichen Abteilung und Leiter der Werkstätten des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Er prägte 1951 den Begriff Chamer Gruppe.

Christian Jeunesse, geboren am 21. Juni 1955 in Straßburg (Frankreich), studierte in Straßburg und Paris. In den Jahren von 1978 bis 1983 war er als Lehrer an einem Gymnasium tätig, wo er Geschichtsunterricht erteilte. Seit 1983 wirkt an der Direction des Antiquités Préhistoriques d'Alsace in Straßburg. Sein besonderes Interesse gilt den Fragenkomplexen der Jungsteinzeit. Christian Jeunesse hat 1983 den Begriff La-Hoguette-Gruppe in die Fachliteratur eingeführt.

Nandor Kalicz, geboren am 6. März 1928 in Tarnabod (Ungarn). Er erwarb 1955 sein Diplom als Archäologe. Von 1955 bis 1957 wirkte er als Mitarbeiter des Museums in Nyiregyháza und 1957/58 am Museum in Miskolc. Seit 1958 ist er am Vorgeschichtlichen Institut der Universität Budapest tätig. Er hat sich auf die Jungsteinzeit und die Frühbronzezeit spezialisiert. 1968 führte er den Begriff Makó-Gruppe in die Literatur ein (in Österreich spricht man von der Kosihy-Caka/Makó-Gruppe).

Friedrich Klopfleisch, geboren am 12. August 1831 in Heusdorf bei Apolda, gestorben am 30. Mai 1898 in Jena. nach dem Schulbesuch in Jena und Weimar studierte er Medizin, dann Philosophie in Jena und München. 1856 promovierte er in Jena zum Dr. phil. Dort war er zunächst Privatdozent. 1875 wurde er außerordentlicher Professor. Klopffleisch wirkte außerdem als Konservator des von ihm gegründeten Gemanischen Museums in Jena. 1884 führte er den Begriff Bandkeramik ein.

Karl Koehl, geboren am 7. November 1847 in Meisenheim, gestorben am 12. April 1929 in Worms. Er studierte bis 1873 in Heidelberg, Marburg und Gießen Medizin. Nach dem Studium lebte er in Wien, unternahm aber auch jahrelang Reisen als Schiffsarzt. 1876 ließ er sich in Pfeddersheim als Arzt nieder, und 1884 siedelte er nach Worms über. Koehl führte Ausgrabungen in Rheinhessen durch und publizierte die Funde. Auf ihn geht der Begriff Hinkelstein-Gruppe (1898) zurück.

Paul Kupka, geboren am 2. September 1866 in Guben, gestorben am 27. April 1949 in Stendal. Er wirkte von 1899 bis 1931 als Gymnasialprofessor in Stendal. Außerdem war er Leiter und wissenschaftlicher Berater des dortigen Museums und Begründer der Stendaler Beiträge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde der Altmark. Kupkas Interesse galt den jungsteinzeitlichen Kulturen, über die er zahlreiche Ausätze verfasste. Auf ihn geht der Begriff Schönfelder Kultur 1910) zurück.

Therkel Mathiassen, geboren am 5 September 1892 in Faurbo (Dänemark), gestorben am 15. März 1967 in Kopenhagen. Er promovierte 1927 und wurde 1933 Inspektor am Nationalmuseum in Kopenhagen. Von 1941 bis 1962 leitete er die archäologische Abteilung des Nationalmuseums. 1934 beteiligte er sich an arktischen Expeditionen. Seine Spezialgebiete waren die Steinzeit und die Eskimo-Archäologie. Mathiassen prägte 1946 den Begriff Bromme-Kultur.

Oswald Menghin, geboren am 19. April 1888 in Meran, gestorben am 29. November 1973 in Buenos Aires. Er war ab 1913 Privatdozent an der Universität Wien (1914 gründete er die Wiener Prähistorische Gesellschaft), 1918 außerordentlicher Professor, 1922 ordentlicher Professor, 1930 bis 1933 Resident-Professor der Universität in Kairo und 1938 bis 1945 österreichischer Minister für Kultus und Unterricht. In den 1920-er Jahren prägte er die Begriffe Lengyel-Kultur und Badener Kultur.

Johanna Mestorf, geboren am 15. April 1928 in Bramstedt/Holstein, gestorben am 20. Juli 1909 in Kiel. Die Tochter eines Arztes wurde 1873 Kustodin und 1891 Direktorin des Kieler Museums. Sie war die erste Museumsdirektorin in Deutschland und erhielt als erste Frau zu ihrem 70. Geburtstag den Professorentitel der Universität Kiel. Johanna Mestorf verfasste viele Arbeiten über die vorgeschichtlichen Altertümer von Schleswig-Holstein und prägte 1882 den Begriff Einzelgrab-Kultur.

Peter J. R. Modderman, geboren am 10. März 1919 in Tanah Radja (Sumatra), promovierte 1945 in Groningen (Holland). Danach war er Konservator der Staatlichen Denkmalpflege in den Niederlanden in Amersfoort und Privatdozent für niederländische Prähistorie an der Reichsuniversität in Urecht. Zuletzt wirkte er als Professor an der Universität in Leiden. Moderman hat sich auf die Jungsteinzeit spezialisiert. 1970 führte er den Begriff Limburg-Gruppe in die Literatur ein.

Gabriel de Mortillet, geboren am 29. August 1821 in Meylan (Isère), gestorben am 25. September 1898 in Saint-Germain-en-Laye. Er war Autodidakt. Zunächst studierte er Maschinenbau, nebenbei auch Geologie und Paläontologie. 1868 wurde er Direktor des Museums in Saint-Germain-en-Laye, 1878 Professor an der École d'Anthropologie. 1869 führte er das erste chronologische System der Altsteinzeit mit den vier Stufen Moustérien, Aurignacien, Solutréen und Magdalénien ein.

Sophus Müller, geboren am 24. Mai 1846 in Kopenhagen, gestorben am 24. Februar 1934 in Kopenhagen. Er war zunächst im Schuldienst und unternahm Studienreisen. 1878 wurde er Assistent beim Altnordischen Staatsmuseum in Kopenhagen, 1885 dort Inspektor und von 1892 bis 1921 Direktor des Nationalmuseums in Kopenhagen. Er erwarb sich große Verdienste um die archäologische Denkmalpflege, leitete Grabungen und publizierte darüber. Von ihm stammt der Name Dolchzeit (1902).

Hermann Müller-Karpe, geboren am 1. Februar 1925 in Hanau, promovierte 1948 in Marburg. 1948/49 wirkte er am Landesmuseum Kassel, 1950 bis 1958 an der Prähistorischen Staatssammlung in München. 1958 habilitierte er sich. Ab 1959 lehrte er in Würzburg, ab 1963 in Frankfurt am Main. Von 1980 bis 1986 gehörte er der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie des Deutschen Archäologischen Instituts in Bonn an. Er prägte 1951 den Begriff Wartberg-Gruppe.

Hugo Obermaier, geboren am 29. Januar 1877 in Regensburg, gestorben am 12. November 1946 in Freiburg (Schweiz), promovierte 1904 in Wien. 1909 bis 1911 war er Dozent für Vorgeschichte in Wien, 1911 bis 1914 Professor am Institut de Paléontologie Humaine in Paris. 1914 bis 1936 wirkte er in Spanien. 1936 ging er nach Italien, 1937 in die Schweiz, wo er 1939 Ordinarius für Urgeschichte an der Universität Freiburg wurde. Er schuf die Begriffe Alt- und Jungacheuléen und Blattspitzen-Gruppe.

Paul Reinecke, geboren am 25. September 1872 in Berlin-Charlottenburg, gestorben am 12. Mai 1958 in Herrsching. Er wirkte 1897 bis 1908 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. 1908 bis 1937 war er Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für der Denkmalpflege in München. 1917 wurde er kgl. Professor. Reinecke gilt als einer der bedeutendsten Prähistoriker. Auf ihn gehen die Namen Michelsberger Kultur (1908) und Altheimer Kultur (1915) zurück.

Elisabeth Ruttkay, gebürtige Ungarin, lebt seit 1956 in Österreich. Sie studierte in Wien und arbeitet seit 1968 an der Prähistorischen Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien. Elisabeth Ruttkay hat sich große Verdienste um die Erforschung der Jungsteinzeit in Österreich erworben. Von ihr stammen die Begriffe Bisamberg-Oberpullendorf-Gruppe (1976), Mödling-Zöbing-Gruppe (1973) und Herzogenburg-Gruppe (1981) für Kulturstufen der Jungseinzeit.

Georg L. Sarauw, geboren am 12. November 1862 in der Nähe von Vordingsborg/Dänemark, gestorben am 17. Februar 1928 in Göteborg/Schweden. Er studierte in Kopenhagen, München, Rostock, Berlin und Paris und beschäftigte sich mit Forstwissenschaft und Botanik. Ab 1894 als Archäologe am Nationalmuseum in Kopenhagen, wurde er 1912 Leiter der prähistorischen Abteilung des städtischen Museums Göteborg. 1911 prägte er den Begriff Maglemose-Kultur.

Alfred Schliz, geboren am 18. September 1849 in Heilbronn, gestorben am 22. Juni 1915 in Heilbronn. Er trat 1877 die Nachfolge seines Vaters als Stadtarzt in Heilbronn an und wurde 1899 zum Hofrat ernannt. Schliz gilt als einer der bedeutendsten deutschen Prähistoriker. Er befasste sich vor allem mit der Urgeschichte Süddeutschlands und des Alpengebietes sowie mit Fragen der Anthropologie. Auf Alfred Schliz geht der Begriff Großgartacher Gruppe zurück.

Hermann Schwabedissen, geboren am 16. Januar 1911 in Meierberg/Lippe. Er promovierte 1938 in Kiel. Zunächst war er Assistent am Museum für Vorgeschichtliche Altertümer in Kiel, später Kustos am Schleswig-Holsteinischen Landesmusem in Schleswig. Ab 1957 wirkte er als außerordentlicher Professor in Köln, wo er Direktor des Instituts für Ur- und Frühgeschichte wurde. Schwabedissen hat die Begriffe Federmesser-Gruppen (1954) und Ertebölle-Ellerbek-Kultur (1958) geprägt.

Gustav Schwantes, geboren am 18. September 1881 in Bleckede, gestorben am 17. November 1960 in Hamburg. Er war Lehrer, promovierte 1923 und wirkte ab 1923 als Kustos am Museum für Völkerkunde und Vorgeschichte in Hamburg. 1928 habilitierte er sich, wurde 1929 Museumsdirektor in Kiel, 1931 außerordentlicher Professor und 1937 Ordinarius an der Universität Kiel. Von ihm stammen die Begriffe Hamburger Kultur, Ahrensburger Kultur, Duvensee-Gruppe und Oldesloer Gruppe.

Hans Seger, geboren am 28. August 1864 in Neurade, gestorben am 15. August 1945 in Breslau. Er habilitierte sich 1907, wurde Direktor des Museums in Breslau und Honorarprofessor an der Universität. Seger machte sich um die Urgeschichte im ehemaligen Schlesien verdient. Er grub am namengebenden Fundort Jordansmühl eine jungsteinzeitliche Siedlung aus, auf ihn geht der Begriff Jordansmühler Gruppe (1916) zurück. Zahlreiche Aufsätze in der Fachliteratur stammen von ihm.

Christian Strahm, geboren am, 1. Oktober 1937 in Niederwichtrach, Kanton Bern, promovierte 196l in Bern und wirkte zunächst am Bernischen Historischen Museum. Seit 1964 arbeitet er an der Universität Freiburg i. Br., wo er sich später habilitierte und 1977 Universitätsprofessor wurde. 1976 wurde er zum außerordentlichen Professor in Bern ernannt. Auf einem 1974 von Strahm einberufenen Symposium wurde von ihm und anderen Prähistorikern der Begriff Rhone-Kultur geprägt.

Armin Stroh, geboren am 24. April 1912 in Reutlingen, studierte an den Universitäten Freiburg, Kiel, Wien, Tübingen und Marburg Vorgeschichte. 1938 promovierte er. Stroh wirkte als Assistent an der Universität Marburg, von 1949 bis 1951 am Städtischen Museum Regensburg und von 1952 bis 1966 am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München, Außenstelle Regensburg. Er hat der Schwieberdinger Gruppe (1938) und der Bischheimer Gruppe (1938) den Namen gegeben.

Lothar Süß, geboren am 2. März 1925 in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, wurde 1960 in Marburg promoviert. Von 1960 bis 1974 wirkte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Darmstadt und Wiesbaden. Ab 1960 führte er Ausgrabungen der urgeschichtlichen Salzproduktionsstätten in Bad Nauheim (Hessen) durch. Auf Lothar Süß geht der Begriff Epi-Lengyel-Zeit zurück, den er 1969 erstmals in einer Veröffentlichung verwendete.

Wolfgang Taute, geboren am 8. Mai 1934 in Berlin. Er studierte in Kiel, Köln, Bonn und Tübingen und promovierte 1962 in Köln. Danach war er Assistent in Tübingen, wo er sich 1971 habilitierte. Seit 1980 ist er Direktor des Kölner Instituts für Ur- und Frühgeschichte. Er beschäftigte sich mit den letzten Rentierjägern im nördlichen Mitteleuropa, den nacheiszeitlichen Jägerkulturen und den ersten Bauernkulturen im Vorderen Orient. 1972 führte er den Begriff Beuronien in die Literatur ein.

Slavomil Vencl, geboren am 18. Oktober 1936 in Dlouhá Trebová/Tschechoslowakei. Er wirkte 1959 kurz am Nationalmuseum in Prag und danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Archäologischen Institut. Vencl beschäftigt sich hauptsächlich mit der Steinzeit und mit methodischen Problemen. Er hat als erster den Begriff Spätpaläolithikum in die deutschsprachige Literatur eingeführt. Früher existierten schon ähnliche Begriffe in der polnischen Urgeschichte.

Josef Vladár, geboren am 20. Januar 1934 in der Tschechoslowakei. Er studierte an der Universität Preßburg. 1958 erwarb er sein Diplom als Archäologe. Sein Spezialgebiet ist die ältere Bronzezeit, er beschäftigte sich aber auch mit Fragen der Jungsteinzeit. Vladár wirkt seit 1958 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Nitra. 1966 prägte er in einer Publikation den Begriff Kosihy-Caka-Gruppe.

Emil Vogt, geboren am 12. April 1906 in Basel, gestorben am 2. Dezember 1974 in Zürich. Er promovierte 1929, wurde 1930 Konservator am Schweizerischen Landesmuseum,, habilitierte sich 1933 und wurde 1945 Extraordinarius an der Universität Zürich. Ab 1961 wirkte Emil Vogt als Direktor des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich. Er prägte die Namen Egolzwiler Kultur (1951), Lutzengüetle-Kultur (1964), Cortaillod-Kultur (1934) und Horgener Kultur (1934).

Edward James Wayland, geboren am 25. Januar 1888 in Clerkenwell, gestorben am 11. Juli 1966 in Ramsgate/Kent. Er wirkte als Geologe in Portugiesisch-Ostafrika (1911), auf Ceylon (1912-1916), in Uganda (1919-1939) und im Betschuanaland (ab 1943). In Uganda und im Betschuanaland war er zuletzt Direktor des Geological Survey. Seinen Lebensabend verbrachte er in England. Weyland prägte in den 1920-er Jahren den Begriff Pebble-Industry (zu deutsch: Geröllgeräte-Industrie).

Paul Wernert, geboren am 29. Oktober 1889 in Straßburg, gestorben am 19. September 1972 in Straßburg. Er hatte sich auf die Paläontologie und die Paläoethnologie spezialisiert und wirkte in Madrid, Straßburg und Paris. Von Weinert stammen zahlreiche Abhandlungen über archäologische, paläontologische und urgeschichtliche Fragen. Auf ihn und den aus Deutschland stammenden Prähistoriker Hugo Obermaier geht der Begriff Blattspitzen-Gruppen zurück, der 1929 eingeführt wurde.

Leseprobe aus: Deutschland in der Steinzeit (1991) von Ernst Probst

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Bücher von Ernst Probst

Deutschland in der Urzeit. Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit, Orbis Verlag, 480 Seiten im Großformat 24x31 cm, 369 Abbildungen, 27 Karten

Deutschland in der Steinzeit. Jäger, Fischer und Bauern zwischen Nordseeküste und Alpenraum, Orbis Verlag, 620 Seiten im Großformat 24x31 cm, 654 Abbildungen, 13 Karten

Deutschland in der Bronzezeit. Bauern, Bronzegießer und Burgherren zwischen Nordsee und Alpen, Orbis Verlag, 560 Seiten im Großformat 24x31 cm, 576 Abbildungen, 14 Karten

Rekorde der Urzeit, Omnibus Verlag, 352 Seiten

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